Sonne
- sabinekleinheinz
- 25. Juni
- 4 Min. Lesezeit
Alban Hevin - Fest der Sonne, des Feuers und des Lichtes,
Sommersonnenwende, Johannis, Juhannus, Solstitium*, Mittsommer,
Sankt Hans, Jaanipäev

Seit in der tiefen Dunkelheit der Wintersonnenwende das neue Lichtjahr geboren wurde, ist das Licht unaufhaltsam gewachsen. Nun haben wir den Höhepunkt und damit die Wende im Sonnenjahr erreicht.
Seit Urzeiten brennt in der Nacht der Sommersonnenwende weltweit dasselbe Feuer.
Auch wenn Ozeane, Jahrtausende und Glaubensrichtungen die Kulturen trennen, feierten und ehren die Menschen überall auf der Erde im Kern exakt dasselbe Prinzip: den Triumph des höchsten Lichts, die heilige Hochzeit von Himmel und Erde und die Fülle des Lebens.
Sie baten um Schutz für die Schöpfung, reinigten sich im übertragenen oder realen Feuer und hielten inne vor der kosmischen Ordnung.
Der Kern dieses Moments ist universell, nur die Symbole, Namen und Traditionen spiegeln die jeweilige Kultur und Spiritualität wider:
Die Kelten & Germanen feierten den Sonnengott Belenus (oder Baldur, den strahlenden Gott des Lichts), dessen Kraft im Mittsommerfeuer geehrt wurde, um die Erde fruchtbar zu halten.
Die alten Ägypter ehrten Ra, den ultimativen Sonnengott. Zur Sonnenwende stieg zudem der Stern Sirius auf, was die lebensnotwendige Nilflut ankündigte – ein Fest der göttlichen Schöpfung.
Das Christentum taufte das Fest auf den Johannistag (24. Juni). Das traditionelle Johannisfeuer ehrt Johannes den Täufer, den Wegbereiter Jesu. Da die Tage ab jetzt wieder kürzer werden, spiegelt dieser Wendepunkt Johannes’ Worte wider: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ – das irdische Licht weicht dem kommenden, ewigen Christuslicht.
Im Islam orientiert sich der Kalender zwar am Mond, doch im Mystizismus des Sufismus wird das Licht (An-Nur, einer der 99 Namen Gottes) als Essenz aller Schöpfung gefeiert. Die Sommersonnenwende gilt als Moment der höchsten Manifestation der göttlichen Schönheit (Jamal) in der reifen Natur – ein Zeichen (Ayat) für die Fülle des Schöpfers.
Im Buddhismus verbindet sich diese Zeit der Reife oft mit dem Asalha-Puja-Fest (meist im Juli vollzogen). Es erinnert an Buddhas erste Lehrrede nach seiner Erleuchtung. Genau wie die Sonne im Mittsommer ihren höchsten Stand erreicht, steht dieser Wendepunkt symbolisch für das erste „In-Gang-Setzen des Rades der Lehre“ – das höchste spirituelle Licht, das die Dunkelheit der Unwissenheit vertreibt.
Die Slawen tanzten zu Ehren von Kupala (oder Ivan Kupala), der Göttin der Liebe, der Ernte und der Gewässer, und reinigten sich durch den Sprung über das Feuer.
Die Inka (Südamerika) feierten zeitversetzt auf der Südhalbkugel ihr wichtigstes Fest, das Inti Raymi, zu Ehren von Inti, dem Sonnengott und Urvater des Lebens.
Die amerikanischen Ureinwohner (z. B. Lakota) tanzten den rituellen Sonnentanz (WiWanyang Wacipi), um die Verbundenheit mit Wakan Tanka (dem Großen Mysterium) und der Sonne als Lebensspenderin zu erneuern.
Ob als Belenus, Ra, durch die Symbolik des Johannes, als göttliches Licht An-Nur, als Erleuchtungsenergie oder als Inti – im Grunde verbeugen sich alle Menschen vor derselben universellen Kraft. Das weltweite Innehalten an diesem Wendepunkt zeigt, dass uns über alle Religionsgrenzen hinweg dasselbe Staunen über die Wunder der Schöpfung und den Rhythmus des Kosmos verbindet.
In unserer vorchristlichen Tradition, öffnet sich an diesem zyklischen Wendepunkt ein mystisches Zeitfenster von zwölf Tagen, die energetisch den magischen Rauhnächten der Wintersonnenwende gegenüberstehen – ein Spiegelbild der Zeiten, in denen die Schleier zwischen den Welten dünn werden. In diesem heiligen Dazwischen ist alles möglich.
Es ist eine Zeit, außerhalb der Zeit
Die Pflanzengöttin träumt den Mittsommernachtstraum.
Götter und Naturgeister erscheinen den Menschen - was sie manchmal den Verstand kostet. Einst rollten symbolische Feuerräder die Hänge hinab (was heutzutage nicht mehr geht), die Menschen tanzten und sangen (was wir noch immer tun!)!
Die Felder wurden gesegnet und deren Naturgeist, der die Wachstumskraft des Feldes symbolisierte, geehrt. Das Feuer entzündet um sich mit der Sonne zu verbinden. Schließlich wurde es umtanzt und übersprungen, Bekleidet mit nichts außer einem Gürtel aus Beifuss oder Eisenkraut und den 4 Winden. Dieser Sprung durch die Lohe, das wusste man, reinigt Leib und Seele und bringt Gesundheit.
Es ist ein Fest der Extreme, an dem der Himmel sich oft mit reinigendem Regen um die durstige, hochschwangere Erde kümmert, welche schwer von Fruchtbarkeit, Blütenpracht und dem Versprechen der Fülle ist.

Doch heuer hielt der Himmel die Wolken zurück, sodass die Zeremonie eingebettet reiner Bergluft stattfinden konnte.
Hier oben am Berg, ganz nah am Himmel, entfaltet die Sommersonnenwende ihre ganz eigene, uralte Magie.
Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit gilt der Erde, die uns diesen kraftvollen Platz hoch oben gewährt hat, und ebenso dem Bauern, der mit seiner Offenheit diese alte Tradition auf seinem Grund gewähren ließ. Getragen von diesem Wohlwollen durfte sich alles entfalten.
Jedes Detail dieser Zeremonie war von Hingabe durchdrungen: so gebaren- diesmal die Männer- unseren wundervollen, geborgenen Feuerplatz, auf einem Bergsattel umrahmt von zwei ineinander verschlungenen Paaren aus Kiefer und Fichte.
Aus den bunten Bergwiesenblumen flochten die Frauen prachtvolle Kränze. Blume um Blume wurde die Liebe zum All verwoben. Der Kranz -weit mehr als bloßer Schmuck, denn in ihrer runden Form symbolisieren sie die heilige Verbindung zwischen Himmel und Erde, die sich an diesem Tag berühren. Und natürlich wob sich in alles Una, unser stärkender, klärender Beifuß mit hinein.
Vom heiligen Rauch gereinigt, vom feinen Gesang getragen, entfaltete sich die Zeremonie.
Bedankt und bekränzt konnte der Platzhüter dem Stein schließlich einen Funken entlocken. Dieser fiel in das von den Kindern vorbereitete Feuernest und wurde von sanften Händen in sein Bett getragen. Das heilige Feuer ward entzündet!

Nach dem Tanz, nach dem Singen, nach allem was sein wollte, war das Feuer schließlich perfekt heruntergebrannt und so schloss sich der Kreis mit dem traditionellen Finale: den wilden und mutigen Sprüngen über die Glut. Von Groß und Klein gewagt.
Transformation, die Altes zurücklässt und Mut für den neuen Weg schenkt.

Behütet von den mächtigen Silhouetten der Berge und dem funkelnden Sternenzelt, verschmolzen wir mit der Nacht, um am Morgen vom ersten Licht des gereiften Lichtjahres geweckt zu werden.
Ein grenzenloses Dankeschön an all die guten Wesen, welche uns behütet und getragen haben. Sowie an jede Seele, die durch ihre Arbeit, ihr Flechten, ihr Schweiß, ihr Lachen, ihr Weinen, ihr Sehnen, ihre Präsenz, ihr Tragen und ihr Sein diesen Kreis der Magie gerundet hat. DANKE
Wir sehen uns in drei Monaten zur Gleiche.
Spätestens!
Sabine Dura



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