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zurück ins heilige Gleichgewicht

Die Tag- und Nachtgleiche




Einladung zu Mabon

Erneut befinden wir uns im Jahreskreis in perfekter Balance von Tag und Nacht, schon wie zu Ostara, doch nun bricht die dunkle Zeit an. Die Nächte werden länger, es wird merklich kühler, die Blätter verfärben sich und die Lebenskräfte ziehen sich nah und nach in die Erde zurück.


Es ist die Zeit des Dankes und Ausgleichs. Es ist ein Fest des Teilens & Mitteilens. 


Dieses Fest gilt den Baumfrüchten, Trauben und dem Wein und ist ein Genussfest, bei dem das Gold des Herbstes gefeiert wird.

Mutter Erde zeigt uns, wie aus einem Samen Tausende neue entstanden sind.


Der Herbst wurde im mittelhochdeutschen „Herbstmond“ genannt. Die althochdeutsche Bedeutung von „Herbist“ ist gleichbedeutend mit dem englischen „harvest“, also der Zeit der Ernte.

Die Aufbruchstimmung ist in der Tier- und Pflanzenwelt unübersehbar.

Die Zugvögel sammeln sich, Tiere fressen sich ihre Bäuche voll und jeder genießt die letzten warmen Sonnenstrahlen. Die Pflanzenwelt verschenkt sich üppig an die Tier- und Menschenwelt, bevor sie sodann schnell ihren Rückzug beginnt.

Die Ernte ist eingebracht und die Arbeit des Sommers vollbracht. Nun werden die Vorräte für den Winter angelegt. Die Herbstzeitlose schiebt ihre Blüten aus abgegrasten Weiden, als Künderin des kommenden Winters.


Wir wollen danken und mit euch teilen, was uns gegeben wurde.

Wir treffen uns um 11 Uhr vor dem Spitzsteinhaus, um gemeinsam den Feuerplatz zu errichten, Kränze zu flechten und alles für die Zeremonie am Abend vorzubereiten.

Also noch gerne in "Werkel-Montur".

Ein spätes gemeinsames Mittagessen auf dem Spitzsteinhaus (individuell nach Karte) stärkt uns bis wir dann, gerne festlich gekleidet und mit Gaben aus der Natur, die ihr gerne teilen möchtet, wieder zusammenkommen.

Das ist der Rahmen. Doch der Kreis wird zeigen was ist und was es braucht - gemeinsam!

Die Zeremonie lebt von euren Impulsen, euren Liedern, eurer Liebe und Hingabe.


Bitte mitbringen:

-Blumen; Kornähren (zum Flechten von Kronen);

-Essen & Trinken für unser gemeinsames Buffet am Abend,

-über das Jahr gesammelte Steine, Hölzer oder andere Kostbarkeiten die wir nun ehren und zurückgeben wollen

-Schlafsachen

-Handsichel / Säge (wer hat)


Der Wanderparkplatz Erlerberg ist nur wenige Höhenmeter vom Feuerplatz entfernt.


Am Liebsten schlafen wir ja am Feuer, doch da das Wetter flexibel ist, sollten wir es auch sein. Wer ein Bett auf dem Spitzsteinhaus möchte, melde sich bitte noch bis zum 1.9. bei dem lieben Hüttenwirt Sebastian mit dem Zauberwort Sinnesschule. Doch beachtet bitte, dass hier bei Nichtnutzung Stornogebühren anfallen können (klärt das bitte individuell).

Auch das leckere Essen auf der Hütte könnt ihr wie andere Tagesgäste genießen - schön wäre es jedoch, wenn wir gemeinsam eine Pause einlegen und zum Essen gehen und uns dann umziehen und gemeinsam wieder runtergehen: unser Feuerplatz ist ca 15 min vom Spitzsteinhaus entfernt (nachts braucht ihr ggf Taschenlampen).


Noch Fragen? Meldet euch gerne!


Von Herzen Danke, für jedes Feuer, jeden Kreis, jedes Danke*





Hintergrund


Im eurasischen Urwissen der Naturbeobachtung teilte sich der Jahreskreis in zwei große, sich gegenseitig ergänzende Rhythmen: die Sonnenfeste und die Mondenfeste.

Sie bildeten den Takt, nach dem die Menschen ihr Leben ausrichteten – wie das Einatmen und Ausatmen eines einzigen großen, atmenden Organismus.


Die Sonnenfeste – zu denen die mächtigen Wenden (Sommer- und Wintersonnenwende) sowie die Tagundnachtgleichen gehören – folgten der großen, stabilen Uhr des Himmels und dem festen Lauf der Sonne. Sie markierten die kosmischen Fixpunkte des Lichts: den Höchststand, die tiefste Finsternis und die Momente der vollkommenen Waage. Sie gaben den übergeordneten, verlässlichen Rahmen vor.


Die Mondenfeste hingegen – die vier Kreuzviertelfeste im Februar (Imbolc), Mai (Beltane), August (Lughnasadh) und November (Samhain) – waren eng mit dem Puls des Werdens und Vergehens, wie die Mondin selbst - und der Fruchtbarkeit verknüpft. Die Zyklen der Mondin waren eng verknüpft mit den Tieren, dem Saft der Bäume und dem Rhythmus der Ernte.


Der tiefere Zusammenhang zwischen beiden liegt in ihrem harmonischen Zusammenspiel, wie eine eigene heilige Melodie. Die Sonnenfeste schenkten den kosmischen Halt und die Ausrichtung, während die Mondenfeste den unmittelbaren, wilderen Herzschlag des irdischen Lebens abbildeten. Erst in ihrer Verbindung ergab sich ein lückenloser Reigen,

der den Menschen lehrte, sich weder im ewigen Licht zu verlieren noch in der Dunkelheit zu verzagen, sondern im Einklang mit beiden Kräften zu schwingen.





Die Tagundnachtgleichen


Während die Sonnenwenden (Sommer- und Wintersonnwende) die extremen Kraftpunkte des Lichts und der Finsternis markieren – den absoluten Höhepunkt oder den tiefsten Wendepunkt –, stehen die Tagundnachtgleichen für den Punkt der absoluten Entscheidung und Ausrichtung.


  • Der Moment des Nullpunkts und der unbestechlichen Waage: Genau für einen Augenblick halten Licht und Dunkelheit einander exakt die Waage. In diesem Zustand des völligen Stillstands gibt es kein Mehr und kein Weniger. Das System steht auf null. Genau dieser Zustand zwingt den Menschen – metaphorisch wie praktisch –, ebenfalls innezuhalten und sich zu fragen:

    Wo stehe ich? In welche Richtung kippt mein inneres Pendel?


  • Die unumstößliche Weggabelung der Natur: Zur Frühlingsgleiche ist der Punkt erreicht, an dem das Licht die Finsternis endgültig überholt und die Natur unwiderruflich in die Expansion drängt – keine Rückkehr mehr in den Winterschlaf. Zur Herbstgleiche ist der Wendepunkt erreicht, an dem die Dunkelheit die Oberhand gewinnt und die Natur den Rückzug einleiten muss. Die Natur entscheidet hier nicht willkürlich, sondern folgt einem absoluten Gesetz. Die äußeren Rhythmen geben die Ausrichtung vor.


  • Die Ausrichtung aus der Mitte: Wer in einem Zustand der vollkommenen Balance steht, hat die freie Wahl. Die Tagundnachtgleiche bietet als „Mediane“ (abgeleitet vom lateinischen medianus „in der Mitte befindlich“ ist etymologisch eng mit Begriffen wie Medizin, Meditation und dem Mittelpunkt verwoben. Alle diese Wörter entstammen der indogermanischen Wurzel med-, was so viel bedeutet wie „messen“, „zuteilen“, „abwägen“ oder „heilen“.) genau diesen neutralen, heiligen Raum.

    Es ist keine Entscheidung aus dem Druck des Überlebens heraus, sondern eine bewusste, zentrierte Wahl aus der inneren Tiefe des Herzens – die Entscheidung, den eigenen Lebensrhythmus wieder an diesen kosmischen Takt anzupassen.

Historisch und volkskundlich ist überliefert, dass die Tagundnachtgleichen (Äquinoktien) keineswegs nur einzelne, starre Kalendertage im modernen Sinne waren, vielmehr wurden sie als dynamische Schwellenzeiten erlebt, die in präzise Phasen unterteilt waren:

die Zeit der Vorbereitung (das Reinigen und Ordnen), den eigentlichen Tag des Stillstands (die Wogen- oder Waage-Zeit) und die darauffolgende Phase des Integrierens.



  • Das Reinigen und Klären (Vorbereitung): Bevor gefeiert wurde, wurde aufgeräumt. Im Frühling wie im Herbst wurden die Höfe, Behausungen und die eigenen Werkzeuge gründlich gereinigt. Altes, verbrauchtes Material wurde entfernt, um Platz für das Neue (im Frühling) oder für die gesicherten Erträge (im Herbst) zu schaffen. Diese äußere Reinigung war immer auch eine Metapher für den inneren Hausputz.


  • Das Entzünden der Übergangsfeuer: Feuer spielte bei allen Ritualen eine zentrale Rolle. Es war das irdische Pendant zur Sonne. Man entfachte große Feuer an erhöhten Orten oder in den Höfen, um den Übergang des Lichts rituell zu begleiten, Schutz zu gewähren und die Gemeinschaft im Licht der Flammen zu einen.


  • Das Teilen der Früchte und des Mahls: Zur Herbstgleiche stand das gemeinschaftliche Teilen im Vordergrund. Die ersten Früchte des Herbstes, das frisch gebackene Brot aus der neuen Ernte oder die letzten Früchte der Bäume wurden nicht allein verzehrt, sondern in der Dorfgemeinschaft geteilt. Es war ein symbolischer Akt des Gebens und Nehmens: Man gab der Erde durch Dankbarkeit etwas zurück und empfing den Segen der Gemeinschaft.


  • Die Waage-Zeremonien und das Schweigen: Überlieferte Reste solcher Bräuche zeigen, dass zu diesen Zeiten oft bewusste Phasen der Stille eingehalten wurden. Man trat hinaus, um den exakten Moment des Gleichgewichts – wenn Tag und Nacht gleich lang sind – in innerer Andacht zu erleben, ohne Worte, um die eigene innere Waage im Einklang mit der Natur auszurichten.



In all diesen Ritualen gab es keinen Raum für die moderne Angst vor der Dunkelheit.

Die Menschen wussten, dass der Boden im Dunkeln ruht, dass der Same unter der Erde im Verborgenen keimt und dass die Seele des Menschen den Rückzug in die Stille braucht, um im nächsten Jahr wieder wachsen zu können. Die Balance war vollkommen, weil Licht und Schatten als ein unzertrennliches, heiliges Paar anerkannt wurden.



"heilig", was bedeutet das eigentlich?


Das Wort „heilig“ ist heute oft verstaubt oder religiös aufgeladen. Doch blicken wir auf seinen etymologischen Ursprung – auf das germanische hailag und das gotische hailags –, entdecken wir eine viel ursprünglichere Bedeutung: Es ist untrennbar mit heil (unversehrt, ganz) und heilen verwurzelt.


Etwas ist heilig, wenn es ganz und ungeteilt ist.


Das heilige Gleichgewicht ist demnach kein starres Dogma, sondern der Zustand, in dem ein System in seiner Ganzheit unversehrt schwingt.


Wenn Tag und Nacht für einen Tag exakt gleich lang sind, gerät weder das Licht noch die Dunkelheit in die Überzahl. Die Natur atmet auf. Und wenn wir genau hinsehen, erkennen wir, wie tief dieses Wissen in uns angelegt ist.




Wieder am Feuer zusammenkommen: Gemeinschaft als Resonanzraum


Doch diese Verbindung war nie nur eine einsame, mystische Angelegenheit. Sie war vor allem eins: geteiltes Erleben in Gemeinschaft.


Wenn die Tagundnachtgleiche den Wendepunkt markierte, geschah dies im Kreis der Dorfgemeinschaft. Die Menschen kamen zusammen – draußen auf den Feldern, auf den Anhören und vor allem: wieder am wärmenden Feuer.


In einer Zeit, in der jeder in seinem eigenen abgekapselten Rhythmus rast, fehlt uns genau dieser soziale Resonanzraum. Am Feuer zusammenzukommen bedeutet mehr als nur physische Wärme. Es ist ein archaisches Ritual der Verbundenheit. Wenn wir gemeinsam den Übergang begehen, die Früchte des Jahres teilen und einander danken, spüren wir: Ich bin Teil von etwas Größerem.



Geh hinaus. Spüre den Wind auf der Haut, der dir sagt, dass sich die Temperatur wandelt. Lass dich auf das Licht ein, das sanft schwindet. Und vor allem: Suche den Kreis deinesgleichen. Kommt wieder zusammen – am Feuer, im echten Gespräch, im gemeinsamen Danke-Sagen.

Denn erst wenn wir uns mit den äußeren Rhythmen der Natur und dem Puls unserer Gemeinschaft verbinden, fangen wir wieder an, uns als ganz und heil zu erleben.


Von Herzen Danke, für jedes Feuer, jeden Kreis, jedes Danke*

 
 
 

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