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flechten

Aktualisiert: 9. März


wie das leben durch Gemeinschaft begann





 Man könnte sagen, Flechten waren und sind die Grundlage des Lebens. Ihre  Bedeutung in der Natur und des menschlichen Lebens ist kaum zu überschätzen.



Flechten breiteten sich bereits vor ungefähr 400 Millionen Jahren auf der Erde aus. Somit waren diese die ersten pflanzenartigen Lebewesen auf dem Festland. Mit der Ausbreitung von Flechten entstand die Grundlage für die Entwicklung höher entwickelter Pflanzen, wie Gräser oder Bäume. Man könnte auch sagen, Flechten waren und sind die Grundlage des Lebens. Flechten sind keine "echten" Pflanzen, sondern eine Mischung aus Algen und Pilzen. Sie bilden die Grundlage des Lebens vieler höher entwickelter Pflanzen.

Flechten haben sogar ihre eigene Wissenschaft: die Lichenologie.



Das Netz des Lebens: Warum Kooperation die wahre Triebfeder der Natur ist

„Der Stärkere überlebt.“ Diesen Satz haben wir alle im Biologieunterricht gelernt. Er prägt unser Weltbild vom erbarmungslosen Wettbewerb, vom „Ellbogen-Prinzip“ in der Wirtschaft bis hin zur Politik. Doch wenn wir tief in die Erdgeschichte blicken – und auf einen unscheinbaren Organismus an einem Baumstamm – erkennen wir: Das Leben ist kein Krieg, es ist eine Symbiose.



Die Flechte: Das Pionier-Duo der Erde


Die Flechte ist das ultimative Beispiel für biologisches Teamwork. Sie ist kein einzelnes Lebewesen, sondern eine faszinierende Wohngemeinschaft aus Pilzen und Algen (oder Cyanobakterien).


  • Der Pilz liefert das schützende Gehäuse, speichert Wasser und nimmt Mineralien auf.


  • Die Alge nutzt das Sonnenlicht zur Photosynthese und liefert die Nahrung.


Ohne den anderen wäre keiner der Partner lebensfähig auf nacktem Fels oder kargen Böden. Flechten waren unter den Ersten, die das Land besiedelten. Sie beweisen: Komplexität entsteht nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Verschmelzung.




Wurde Darwin missverstanden?


Oft wird Charles Darwin als Kronzeuge für den rücksichtslosen Überlebenskampf angeführt. Doch das ist eine einseitige Interpretation, die oft als „Sozialdarwinismus“ missbraucht wurde.


  1. Survival of the Fittest: Im Englischen bedeutet fittest nicht „der Stärkste“, sondern „der am besten Angepasste“. Und oft ist die beste Anpassung eben die Fähigkeit, Partnerschaften einzugehen.


  2. Die vergessene Seite: Darwin selbst beschrieb in seinen späteren Werken (wie The Descent of Man), wie wichtig Instinkte wie Sympathie und gegenseitige Hilfe für den Erfolg einer Spezies sind.


Der Fokus auf den Wettbewerb war ein Kind des industriellen 19. Jahrhunderts. Wir haben die Natur durch die Brille des Kapitalismus betrachtet und dabei übersehen, dass der Großteil der Biosphäre auf Kooperation basiert.



Was können wir daraus für heute erkennen?


Wenn wir verstehen, dass Symbiose die Grundlage des Lebens ist, ändert sich unser Blick auf die Welt:


  • Wir sind selbst Symbiosen: Unser Körper besteht aus mehr mikrobiellen Zellen (Mikrobiom) als menschlichen Zellen. Ohne die Bakterien in unserem Darm könnten wir nicht überleben. Unsere Zellen enthalten Mitochondrien – ehemalige Bakterien, die vor Milliarden Jahren eine Allianz mit uns eingingen.


  • Vernetzung statt Isolation: In einem Wald kommunizieren Bäume über Pilzgeflechte (das „Wood Wide Web“). Ein isolierter Baum ist anfälliger als ein vernetzter.


  • Die Lehre für die Menschheit: In einer Zeit globaler Krisen zeigt uns die Biologie den Weg: Wir werden die großen Herausforderungen nicht durch gegenseitige Bekämpfung lösen, sondern durch die Erkenntnis, dass wir Teil eines abhängigen Systems sind.

Fazit: Die Evolution lehrt uns nicht, wie man andere besiegt, sondern wie man mit anderen zusammenwächst. Die Flechte am Baumstamm ist kein kleiner, unwichtiger Organismus – sie ist eine Lehrmeisterin der Zusammenarbeit.

Was denkst du? Betrachten wir unsere Gesellschaft zu sehr als Wettbewerb und zu wenig als Symbiose? Schreib es mir in die Kommentare!



Zu den Flechten gibt es einiges zu sagen.

Für den interessierten Leser habe ich Folgendes zusammen gestellt:


Flechten werden nicht zufällig "Pioniere" der Pflanzenwelt genannt. Immerhin können sie sich an Orten entwickeln, an denen andere Organismen nicht leben können. Zum Beispiel, auf harten Felsen, sie allmählich zerstören sie. Als Ergebnis gibt es eine Grundlage für die Bildung von Bodenbedeckung – eine notwendige Voraussetzung für das Pflanzenleben.


Flechten sind eben „ubiquitäre Kosmopoliten“, das heißt, sie kommen auf allen möglichen und unmöglichen Unterlagen und überall auf der Erde vor.


Weltweit gibt es rund 25.000 Flechtenarten.

Heute sind viele der einst häufigen Rindenflechten aufgrund der Luftverschmutzung insbesondere durch Schwefeldioxid selten geworden, oder sogar ganz verschwunden. Ich zum Beispiel leibe die Bartflechte. Eine Wunderheilerin gerade bei Husten (bitte nicht wild sammeln! Gibt es auch in der gut sortierten Apotheke).

Daher kann das Fehlen oder Vorkommen von Flechtenarten dazu benutzt werden, um Hinweise zur Luftbelastung zu erhalten. Flechten können sozusagen als lebende Messgeräte, als Bioindikatoren, eingesetzt werden


Der Erhalt oder die Wiederansiedlung rindenbewohnender Flechten kann durch geeignete und abwechslungsreiche Pflanzung einzeln stehender Bäume wie Apfel, Esche und Bergahorn gefördert werden. Vor allem sollte aber das Abkratzen der Borke von Obstbäumen und das Anstreichen von Straßenbäumen zur angeblichen Erhöhung der Verkehrssicherheit unterbleiben.


Mehr als die Hälfte unserer heimischen Flechten werden laut Roter Liste als gefährdet eingestuft. Sie bedürfen daher einer viel stärkeren Aufmerksamkeit als ihnen bislang zuteil wird.


So ist die Gattung der Schlauchpilze auf Flechten angewiesen, weil die in den Flechten lebenden Algen, aufgrund ihrer Fähigkeit zur Photosynthese, diese Schlauchpilze mit Nahrung versorgen. Solch eine Verbindung nennt man Symbiose.



Man findet Flechten an heißen Quellen, in Wüsten, im Hochgebirge bis 7000m und in den Dry Valleys der Antarktis. Sie können fast alle Unterlagen besiedeln. Dabei sind sie in das Substrat eingesenkt - Krustenflechte, diesem eng anliegend und ablösbar - Blattflechte oder nur an einer Stelle angewachsen - Strauchflechte. Quellende Arten nennt man Gallertflechten. Eine große Zahl der bisher 18800 bekannten (350 im Vulkanland) lebenden Arten gehört zu den Schlauchpilzen. Diese bilden verschiedengestaltige Fruchtkörper (Apothecien, Perithecien, etc.) oder Flechtenstaub (Soredien), bzw. abfallende Lagerteile (Isidien). Die Fruchtkörper entlassen Pilzsporen, die Sorale, bzw. Isidien bestehen aus Pilzhyphen, Algen und Bakterien. Flechten produzieren eine Menge an Inhaltsstoffen, die sie vor der Sonneneinstrahlung oder vor Fressfeinden schützen. Dies können Farbstoffe, Proteine, ja sogar Hormone sein. Flechten können auch aufgrund des Substrates (Stein, Borke, Laub, etc) unterschieden werden. Verschiedene chemische Voraussetzungen bilden die Grundlage. Es kann sauer, neutral oder basisch sein. Der Lichteinfall ist ebenfalls spezifisch für die einzelnen Arten. Manche lieben den Schatten und die Feuchtigkeit der Gräben, andere wachsen lieber an lichtoffenen, windigen Plätzen, wie z. B.: auf Tondachziegel. Flechten sind kleine ökologische Wunder.




 
 
 

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